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Serielle Sanierung auf dem Prüfstand: Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit im Vergleich

Die energetische Sanierung von Mehrfamilienhäusern steht zunehmend unter doppeltem Druck: Einerseits müssen Gebäude wirtschaftlich modernisiert werden, andererseits steigen die Anforderungen an Klimaschutz, Ressourceneffizienz und Wohnqualität. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Serielle Sanierung als industrialisierte, modular vorgefertigte Lösung an Bedeutung.

Doch wie schneidet sie im direkten Vergleich mit einer konventionellen Fassadensanierung ab? Und welche Rolle spielen dabei Investitionskosten, Lebenszyklusbetrachtung und Umweltwirkung?

Vergleichsstudie für eine Berliner Wohnsiedlung
Drei serielle Varianten im direkten Vergleich
Lebenszyklus als Bewertungsmaßstab
Fazit: Nachhaltigkeit verändert die Bewertung
Was bedeutet „Serielle Sanierung“?Serielle Sanierung ist eine innovative Methode zur energetischen Modernisierung von Gebäuden. Dabei werden vorgefertigte Fassaden-, Dach- und Technikelemente modular eingesetzt, um Bauzeit und handwerklichen Aufwand vor Ort deutlich zu reduzieren. Grundlage sind digitalisierte und standardisierte Prozesse: Die Bestandsgebäude erhalten passgenaue Bauelemente, die meist in Produktionshallen individuell gefertigt und anschließend innerhalb kurzer Zeit montiert werden. Besonders geeignet ist die Serielle Sanierung für Gebäude der 1950er bis 1970er Jahre mit hohem energetischen Verbesserungspotenzial. Zunehmend wird sie jedoch auch bei anderen Gebäudetypen, einschließlich Nichtwohngebäuden wie Büros und Schulen, angewendet.

Vergleichsstudie für eine Berliner Wohnsiedlung

Im Oktober 2024 beauftragte ein Beratungsunternehmen für die Öffentliche Hand IPROconsult gemeinsam mit den Praxispartnern Holzbau Plan+Werk und BMT consulting | development mit einer anbieterneutralen Vergleichsstudie. Untersucht wurde die Sanierung einer Wohnsiedlung in Berlin-Zehlendorf mit dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern und insgesamt 198 Wohnungen.

Grundlage der Untersuchung bildeten Bestandsfotos, Grundrisse sowie eine Begehung vor Ort. Schnell zeigte sich jedoch, dass für belastbare Aussagen eine ergänzende Bauwerksdiagnostik erforderlich war, um verlässliche Erkenntnisse zu Statik und Bauweise zu gewinnen. Die Siedlung erwies sich mit ihren unterschiedlichen Fassadengestaltungen als komplexes Untersuchungsfeld. Gerade diese Vielfalt ermöglichte es jedoch, verschiedene Optionen realitätsnah darzustellen und systematisch zu vergleichen.

Bei der Vergleichsstudie wurde die Sanierung einer Berliner Wohnsiedlung aus dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 198 Wohnungen untersucht.

Drei serielle Varianten im direkten Vergleich

Zu Beginn analysierte das Projektteam die Gebäude hinsichtlich Statik, Brandschutz und Energieverbrauch – unter anderem mit Blick auf das Erreichen des Effizienzhaus-Standards 55. Auch konstruktive Besonderheiten wie Balkone, Loggien, Sockelbereiche und Dachüberstände wurden detailliert betrachtet.

Schließlich legte sich das Team auf drei serielle Varianten fest: einen hinterlüfteten Holzbau mit Entfernung der Balkone und Dachüberstände, einen verputzten Holzbau sowie einen hinterlüfteten Metallbau unter Beibehaltung der bestehenden Geometrien. Diese drei Lösungen wurden eingehend untersucht und einer konventionellen Sanierung mit Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) gegenübergestellt.

Die Siedlung bot mit ihrer unterschiedlichen Fassadengestaltung die Möglichkeit, in der Studie viele Optionen aufzuzeigen und zu vergleichen.

Lebenszyklus als Bewertungsmaßstab

Besonderes Augenmerk legten die Partner auf die Lebenszyklusanalyse der seriellen Varianten. Dabei wurden Herstellung, Transport und Einbau ebenso bewertet wie Rückbau und Recyclingfähigkeit der Materialien.

Beim Primärenergieeinsatz zeigt sich der Holzbau als ökologischste Lösung. Der Metallbau eröffnet hingegen ein hohes Potenzial, wenn der gesamte Produktlebenszyklus einschließlich Recycling betrachtet wird. Entsprechend differenziert fiel die Ökobilanz aus. Die herkömmliche WDVS-Methode ist in Bezug auf die Umweltwirkung unterlegen.

Lediglich bei den reinen Investitionskosten – ohne Berücksichtigung des Bonus für serielle Sanierung im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude – zeigt das WDVS zunächst Vorteile. Diese relativieren sich jedoch im Lebenszyklus durch qualitative Nachteile sowie durch sogenannte „weiche“ Faktoren wie die stärkere Belastung der Mieter während der Bauphase, ein weniger nachhaltiges Erscheinungsbild und geringere Langlebigkeit. Die schnelle Montage der im Werk vorgefertigten Elemente erweist sich insbesondere im bewohnten Bestand als klarer Vorteil der seriellen Lösungen.

Bei Variante 2 mit verputzter Holzfassade blieben Balkone und Loggien erhalten, weil dort ein WDVS verbaut würde.

Fazit: Nachhaltigkeit verändert die Bewertung

Im Mai 2025 lag das Ergebnis der Studie vor. Die zentrale Erkenntnis: Bei der Sanierung von Mehrfamilienhäusern sollte der Blick nicht allein auf die Investitionskosten über einen Zeitraum von 20 Jahren gerichtet werden. Werden Umweltschutz, Lebensqualität und Nachhaltigkeit systematisch einbezogen, relativiert sich der Kostenvorteil der konventionellen Sanierung deutlich.

Entscheidend bleibt die sorgfältige Analyse jedes einzelnen Gebäudes. Erst auf Basis belastbarer und vergleichbarer Kennwerte lässt sich die jeweils geeignete Sanierungsvariante bestimmen – eine Aufgabe, die in der Verantwortung der planenden Fachleute liegt.

Ihre Ansprechpartnerin

Architektin und Energieeffizienz-ExpertinSusanne Weidelt

Als Architektin und Energieberaterin bearbeitet sie seit 2012 im Büro Architektur und Hochbau Projekte, die hohe Anforderungen an Energieeffizienz und Nachhaltigkeit stellen, von der Energieberatung über die Architekturplanung bis zum Energieausweis.

+49 351 / 46 51 658Susanne.Weidelt@iproconsult.com
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