Die Ausgabe der Berechnungen in Bauteillisten erfolgt automatisiert aus dem 3D-Modell, womit die Konsistenz der Daten gewährleistet ist. In Summe wurden 32 unterschiedliche Bauteillisten aus dem Modell erzeugt, welche als Grundlage für die Erstellung der Leistungsverzeichnisse genutzt wurden. Dazu gehörten u.a. das Aufmaß für Luftkanaldämmung nach DIN 18421, Aufmaß der Luftkanäle nach DIN 18379, Stücklisten für Luftdurchlässe, Formteile und Komponenten, Medienverbraucher, Rohrzubehör, Einbindungspunkte, Heiz- und Kühllast. Auch bei diesen BIM-Anwendungsfällen war das 3D-Modell stets die zentrale Informationsquelle („Single Source of Truth“).
Neben den Berechnungsergebnissen waren die Anlagenstruktur Kennzeichen (AKZ) sowie Einbindungspunkte Bestandteil der Informationsanforderungen an die Modellelemente. Insgesamt wurden 233 Übergabepunkte im Modell verortet und mit AKZ-Nummern versehen. Um einen weiteren Mehrwert für die Bauausführung zu erzeugen, wurden mittels visueller Programmierung mit Dynamo jedem Punkt der Raumname und die Raumnummer sowie die X-, Y- und Z-Koordinate zugewiesen, um die Bauteile und die Einbindungspunkte auf der Baustelle eindeutig zu identifizieren.
Ein weiterer wichtiger BIM-Anwendungsfall für das Projekt und gleichzeitig enormer Mehrwert gegenüber der herkömmlichen Planung in 2D ist das Auffinden von Kollisionen durch computergestützte Automatismen. Das Kollisionsmanagement unterstützt Projektleiter und Planer dabei, Kollisionen früh zu erkennen und zu beseitigen, um Verzögerungen durch Änderungen und Anpassungen auf der Baustelle zu vermeiden.
Durch die Bearbeitung aller Gewerke in 3D konnten bereits bei der Modellierung Kollisionen durch die Planer erkannt und vermieden werden. Zu bestimmten Zeitpunkten wurde eine automatisierte Kontrolle mit Autodesk Navisworks durchgeführt und ein Kollisionsbericht erstellt. Für diesen Zweck wurde eine Kollisionsmatrix erzeugt, welche die Prüfungsergebnisse nach Disziplinen einordnet und somit eine bessere Übersicht zum aktuellen Status, der Gewerkezuordnung und Nachverfolgung mit sich bringt. Allein zwischen Medienleitungen und Lüftungskanälen wurden während der Projektdauer 157 Kollisionen beseitigt. Vor der Durchbruchsplanung lag die Anzahl der Kollisionen von Medienleitungen und Wänden bei 398 (auf einer Etage). Durch die hohe Dichte an Leitungen und Lüftungskanälen und eine parallele Planung der unterschiedlichen Gewerke konnte nicht gänzlich verhindert werden, dass Kollisionen im Planungsmodell erzeugt wurden. Jedoch wurden durch die Kollisionsprüfung alle Überschneidungspunkte identifiziert und behoben. Die meisten davon hätten bei einer klassischen 2D-Planung nicht rechtzeitig oder sogar überhaupt nicht erkannt werden können und somit zu enormen Verzögerungen auf der Baustelle geführt.